Die Genossenschaft gmüesabo ist aus dem Wunsch entstanden, der industriellen Landwirtschaft etwas entgegenzusetzen – ein zukunftsfähiges Ernährungssytem, das den Menschen und einen respektvollen Umgang mit seinen Lebensgrundlagen in den Mittelpunkt stellt. Wir wollen weg von der Marktlogik des maximalen Profits, die der Natur schadet und kleinbäuerliche Strukturen zerstört. Wir möchten den Konsument:innen ermöglichen, wieder eine persönliche Beziehung zu den Menschen und dem Ort zu haben, von denen ihre Nahrung kommt – und gleich selber Hand anzulegen. Dabei orientieren wir uns am Modell der solidarischen Landwirtschaft.
Was ist solidarische Landwirtschaft?
Solidarische Landwirtschaft (Solawi) beruht auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Konsument:innen und Produzent:innen. Die gemeinsame Finanzierung der landwirtschaftlichen Produktion und die aktive Mitarbeit der Mitglieder sind wichtige Elemente.
Betriebsbeitrag statt Produktepreis
Anstatt für einzelne Produkte zu bezahlen, finanzieren die Mitglieder mit einem Jahresbeitrag, dem sogenannten Betriebsbeitrag, im Voraus die Kosten für Saatgut, Maschinen, Löhne usw. Dafür erhalten sie jede Woche einen Anteil an der Ernte. Dies gibt dem Betrieb finanzielle Sicherheit. Die Anbaumengen sind planbar und es wird kein Überschuss produziert. Das Risiko für wetterbedingte Ernteausfälle wird gemeinsam getragen; dafür profitieren auch alle von besonders reichen Ernten.
Partizipation
Die Mitglieder beteiligen sich aktiv an der Produktion. Sie helfen zum Beispiel bei der Ernte, beim Abpacken oder beim Transport des Gemüses. So machen sie es möglich, den Gartenfachkräften faire Löhne zu bezahlen. Sie erhalten nicht nur ethisch unbedenkliche Nahrungsmittel, sondern auch ein besseres Verständnis und mehr Wertschätzung für die landwirtschaftliche Arbeit, wertvolle Gemeinschaftserlebnisse und ein Mitspracherecht im Betrieb.
So funktioniert die Genossenschaft
Die Organisationsform der Genossenschaft passt perfekt zur Idee der solidarischen Landwirtschaft: Finanzierung, Verantwortung und Risiko werden gemeinsam getragen. Jedes neue Mitglied erwirbt beim Eintritt mindestens einen Anteilschein à 100 Franken. Dieser wird beim Austritt wieder rückerstattet. Die Anteilscheine bilden das Kapital, das für Investitionen in die Infrastruktur der Gärtnerei verwendet wird. Jedes Mitglied ist somit Miteigentümer:in des Betriebs und hat – unabhängig von der Anzahl Anteilscheine – eine Stimme bei der Jahresversammlung, wo die wichtigen Entscheide getroffen werden. Aktuell sind wir rund 300 Genossenschafter:innen.
Die Betriebsgruppe als Vorstand der Genossenschaft kümmert sich um die Verwaltung, d.h. Organisation der Generalversammlungen, Personalbelange, Finanzen, Kommunikation, Mitarbeit, Informatik und strategische Ausrichtung. Sie besteht aus einer Vertretung der Gartenfachkräfte und von der Jahresversammlung gewählten Genossenschafter:innen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Gartenfachkräfte sind von der Genossenschaft angestellt. Sie verantworten den täglichen Betrieb der Gemüseproduktion.
Die Betriebsgruppe: Susanne, Ursula, Patrick, Carina, Thomas (von links).
Unsere Gartenfachkräfte: Patrick ist gelernter Landschaftsgärtner und hat einen Bachelor-Abschluss in Agrarwissenschaften. Er arbeitet hauptberuflich in der Genossenschaft gmüesabo.
Nadja ist Physiotherapeutin und gelernte Landwirtin. Sie führt zusammen mit ihrem Mann einen Bio-Bauernhof in Raperswilen/Helsighausen (TG) und unterstützt das Team jeweils am Mittwoch.
Till hat einen Master in Agrarwissenschaften. Neben seiner Tätigkeit für die Genossenschaft arbeitet er auf einem Bio-Bauernhof in Heiden (AR).
Ein Beitritt in die Genossenschaft ist Voraussetzung, um ein Gemüseabo abzuschliessen (Schnupperabos ausgenommen). Die Mitgliedschaft führt jedoch nicht automatisch zum Abo-Bezug, denn man kann die Genossenschaft auch ohne Abo unterstützen. Mit dem Beitritt anerkennst du die Statuten der Genossenschaft und das Betriebsreglement.
Wir bauen unser Gemüse auf der ehemaligen Gärtnereianlage der Forel Klinik in Ellikon an der Thur an. Auf einer Fläche von rund einer halben Hektare wachsen hier während einer Saison über 40 Gemüsearten. Die Bio-Zertifizierung gibt uns klare Leitlinien: Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger, dafür organischer Dünger und Förderung der Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Der organische Dünger (z.B. Kompost) wird durch das Bodenleben in eine für die Pflanzen verfügbare Form gebracht. Ein lebendiger und gesunder Boden ist deshalb die Grundlage für den Bio-Anbau. Neben organischer Düngung helfen eine gut geplante Fruchtfolge (Abfolge verschiedener Kulturpflanzen), Gründüngungen und eine reduzierte Bodenbearbeitung, die Vielfalt eines lebendigen Bodens zu erhalten und zu fördern. Unter Gründüngung versteht man den Anbau von bestimmten Pflanzen, die nicht für den Verzehr gedacht sind, sondern den Boden verbessern.
Unsere beiden grossen Gewächshäuser heizen wir nicht, das spart wertvolle Energie. Wir arbeiten mit zugekauften Nützlingen (z.B. Schlupfwespen, Schwebfliegen und Raubmilben), die Blattläuse, Spinnmilben und Co. auf natürliche Weise in Schach halten. Tröpfchenbewässerung und Bodenbedeckung bei den Sommerkulturen sparen Wasser, das in den Gewächshäusern mehrheitlich aus unseren Regenwasserbecken stammt. Im Freiland bewässern wir wenn notwendig massvoll.
Der Abstand der verschiedenen Kulturen ist in unserem kleinstrukturierten Beetanbau besonders gering, was der Ausbreitung von Schädlingen viel entgegensetzt. Da wir keinen Normen des Grosshandels ausgeliefert sind, muss unser Gemüse nicht immer perfekt aussehen. Das hilft uns, den Einsatz von biologischen Spritzmitteln minimal zu halten. Ausserdem sind wir eingebettet in ein vielseitiges Ökosystem mit Hochstamm-Obstbäumen, Ökowiesen und Hecken, das wir mit nützlingsfördernden Blühstreifen ergänzen. Unser Anbausystem ist Teil dieses Ökosystems. Es profitiert von der Artenvielfalt und trägt auch selbst dazu bei, dass es Platz für viele Lebewesen bietet.
Geschichte
Im Jahr 2009 wurde das "Gmües-Abo" unter dem Dach des Vereins holzlabor in Thalheim an der Thur gegründet. Viele engagierte Mitglieder und Gärtner:innen bauten einen Gemüsebetrieb auf, der bald gegen 120 Abos pro Woche auslieferte. Um den Betrieb finanziell und organisatorisch auf solidere Beine zu stellen, formierte sich das Projekt 2014 neu als Genossenschaft. Da die Infrastruktur in Thalheim an ihre Grenzen stiess, ergriffen wir 2018 die Gelegenheit, die stillgelegte Gärtnereianlage der Forel Klinik in Ellikon zu pachten.
Seither haben wir uns kontinuierlich weiterentwickelt, Wissen und Erfahrungen gesammelt und uns in einem nicht immer einfachen Umfeld behauptet. Heute liefert die Genossenschaft gmüesabo jede Woche rund 140 Gemüsekörbe aus.